Unser Dorf
Zukunft des Gemeindewaldes neu denken

Erstmals fand der diesjährige Waldbegang des Gemeinderates Baiersbronn am 26. Juni 2020 nicht im Wald, sondern coronabedingt in der Schwarzwaldhalle statt. Dort konnten die notwendigen Sicherheitsabstände gewährleistet werden. Auch unter diesen Bedingungen waren rund 20 Mitglieder des Gemeinderates und der Verwaltung mit von der Partie. Gregor Sprenger, Forstbereichsleiter der Gemeinde Baiersbronn, Jan Meirle, stellv. Forstbereichsleiter der Gemeinde Baiersbronn und Susanne Kaulfuß, Leiterin des Kreisforstamtes informierten den Gemeinderat, Ortsvorsteher und Bezirksbeiratsvorsitzende über die aktuelle Situation des Gemeindeforstbetriebes und die Lage im Gemeindewald. Für das Jahr 2019 ergibt sich ein Nettoressourcenüberschuss von 29.218,45€. Damit ist er Gewinn ca. dreimal so hoch wie erwartet. Den Erträgen von 987.472,16€ steht ein Aufwand von 958.253,71€ gegenüber.

Im vergangenen Jahr wurden ca. 20.000 Festmeter Holz eingeschlagen, 45 Hektar Jungbestandspflege durchgeführt, acht Kilometer des Wegenetzes wurden grundsaniert und 1.080 Jungbäume wie Douglasie und Lärche gepflanzt.

Die Prognose für die kommenden Jahre ist allerdings nicht mehr so positiv. „Aufgrund des Klimawandels und der vergangenen zwei Dürrejahre sind viele Bäume geschwächt und somit sehr anfällig für den Borkenkäfer. Die nächsten fünf Jahre ist kein positiver Beitrag des Forstes zum Gesamthaushalt der Gemeinde zu erwarten. Wir werden keinen Gewinn erwirtschaften können,“ teilte Gregor Sprenger dem Gemeinderat mit. „Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels und der Dürresituation abzufedern geben wir Vollgas beim Waldumbau hin zu einem klimastabileren Wald, damit zukünftige Generationen auch noch die Möglichkeit haben eine nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben,“ erläuterte Sprenger.

Die vielen Windwurfflächen haben aber auch positive Auswirkungen zum Beispiel auf den Artenschutz. Das Auerwild findet in lichten Bereichen des Waldes Nahrung und Raum zur Aufzucht der Küken. Ein schönes Beispiel ist auf dem Hilpertsberg zu bewundern sagte Gregor Sprenger: „Dort ist durch forstwirtschaftliche Maßnahmen eine Fläche entstanden, die an die Wälder Skandinaviens erinnert.“

Jochen Veit, Kämmerer der Gemeinde Baiersbronn betonte „Der Forstbetrieb der Gemeinde wird in Zukunft andere Funktionen des Gemeindewaldes in den Vordergrund stellen müssen. Es wird sich weniger um fiskalische Aspekte drehen, sondern viel mehr um die sonstigen Funktionen des Waldes, wie Co2 Speicherung, Schutz des Trinkwassers und als Ort der Freizeitgestaltung“

Aktuell werden am Holzmarkt nur sehr niedrige Preise erzielt. Die vergangen zwei Dürrejahre haben erhöhte Mengen an Käferholz zur Folge. Dazu kamen Winterstürme und zuletzt die gravierenden wirtschaftlichen Einschränkungen durch Corona, die auch den Holzmarkt unmittelbar betreffen. Deshalb ist momentan sehr viel Holz auf dem Markt was den Preis drückt. Der Gemeindeforstbetrieb lagert aus diesem Grund rund 2.000 Festmeter Rundholz in einem Nasslager in Mitteltal. Der dortige Holzvorrat kann dann bei günstigeren Marktbedingungen zu einem attraktiveren Preis abverkauft werden. Das gelagerte Holz hält sich so zwei bis drei Jahre.

Als letzter Tagesordnungspunkt wurde über den Zwischenstand des neu gegründeten Beirates Wald und Klimawandel berichtet. Der Beirat, der sich aus Mitgliedern aller Gemeinderatsfraktionen zusammensetzt, berät hier über die weitere Entwicklung des Baiersbronner Gemeindewaldes. Im Fokus steht der Waldumbau hin zu einem klimastabilen Mischwald.

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