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Prozess
Rückblick 3. Ideenpräsentation: Die Vorschläge der Planer

Eine neue Identität für das Unterdorf, ein Ortsbild das zur Visitenkarte taugt und Antworten auf alte Planungsfragen – so lauteten die Kernanforderungen der Ideenkonkurrenz. Mit der dritten Präsentation ist diese zu Ende gegangen. Was ist für Baiersbronn aus dem Leitbildprozess hervorgegangen?

 

Ausgangssituation

Für den letzten Abschnitt des Leitbildprozesses hat sich jedes Experten-Team bestimmten Fokusbereichen zugewendet. Ergänzend zu den strategischen Ideen zum Leitbild wurden für diese konkrete Planvorschläge erarbeitet. Die einzelnen Vorschläge knüpfen aneinander an. In der Summe ergeben sie ein Ideenpaket, aus dem Baiersbronn für die Zukunft auswählen kann, was für das Unterdorf machbar und wünschenswert ist.

 

Gemeinsamkeiten der Ideen

Alle Teams sprechen sich für eine Verkehrsberuhigung in der Freudenstädter und der Forbachstraße aus. Ein langsamer aber flüssiger Verkehr würde das Miteinander von Fußgängern und Autos deutlich verbessern und Staus verhindern. Konsens besteht auch hinsichtlich eines Kreisels am Bahnhof, der durchgängig empfohlen wird. Gemeinsam empfehlen alle Arbeiten, den Forbach und die Murg besser zugänglich zu machen, Wege und Plätze am Wasser anzubieten und so die Hochwasserschutz-Maßnahmen für die Ortsbildentwicklung zu nutzen. Alle schlagen neue Wege abseits der Straßen im Grünen vor, die das Radfahren und zu Fuß gehen angenehmer und sicherer machen.


Die finalen Vorschläge der Experten-Teams in Auszügen:

Team „berchtoldkrass“

Unter dem Motto „Selbstverständlich Baiersbronn“ schlagen sie eine dreigliedrige Strategie vor:

  1. Ein Leitbild mit Regeln
    Ein Set aus 20 Grundregeln legt die Rahmenbedingungen für Entwicklungsprojekte in Baiersbronn fest. Neue Projekte werden anhand des Regelsets bewertet und geplant
  2. Ein Plan
    Basierend auf dem Regelset werden konkrete Planungsvorschläge für Projekte erarbeitet
  3. Ein Drehbuch
    In ihm sind Prioritäten und Grundsatzentscheidungen für die Projektumsetzung festgehalten

 

In der Umsetzung könnte dies für Baiersbronn so aussehen:

Visionen von Baiersbronn: Ein Platz am Forbach mit der Alten Krone als Dorfhaus, Kulturraum, Generationencafé und Veranstaltungsraum. (Quelle: „berchtoldkrass“)
Visionen von Baiersbronn: Ein Platz am Forbach mit der Alten Krone als Dorfhaus, Kulturraum, Generationencafé und Veranstaltungsraum.
(Quelle: „berchtoldkrass“)
  1. Das Leitbild
    Die „grünen Arme“, die von Baiersbronns Ortskern in die Landschaft führen, werden erhalten. Die unterschiedlichen Bäche werden als Charakterpunkte integriert. Der „Baiersbronner Mühlweg“ schafft eine Verbindung von Bahnhof über Altmühle. Die Freudenstädter Straße wird 30er-Zone, Langzeitparker werden in die Tiefgarage geleitet. Entlang der Straßen entstehen Kurzzeitparkplätze.
  1. Der Plan
    Auf dem Gelände der ehemaligen Baustoff-Handlung Heizmann entsteht ein Werksareal mit Showroom für regionale Bau- und Handwerkskunst. Auf den Schelklewiesen entsteht ein Außentreffpunkt für Jugendliche mit Skaterpark und Sportmöglichkeiten. Im Zuge des Grünprojekts 2025 wird der Bereich über Zwischenbrücken an den Rosenplatz angebunden. Die Alte Krone bleibt als öffentliches Gebäude erhalten, ein Freiplatz schafft einen neuen Erholungs- und Erlebnisraum am Forbach.
  1. Das Drehbuch / Die Grundsatzentscheidungen
    Die Verkehrsplanungen für die Freudenstädter Straße werden konkretisiert und den zuständigen Behörden vorgelegt. Für das geplante Seniorenwohnheim wird eine finale Entscheidung zu Standort und Ausführung getroffen. Die Alte Krone erhält ein Nutzungskonzept, das die Freifläche und die Anbindung an den Rosenplatz integriert.
    Die Besitzer von Gebäuden und Flächen werden in die Planungen einbezogen.

Team „Labor für urbane Orte und Prozesse“

Sie wollen das „Wir“-Gefühl Baiersbronns weiter entwickeln und legen drei Handlungsfelder fest:

  1. Vernetzung von Orten in Ober- und Unterdorf wie in einem Sternenbild
  2. Stärkung der Vielfalt der einzelnen Orte
  3. Erhalten der Identität Baiersbronns mit seiner lokalen Baukultur

 

In der Umsetzung könnte dies für Baiersbronn so aussehen:

Visionen von Baiersbronn: Die Freudenstädter Straße als Boulevard. (Quelle: „Labor für urbane Orte und Prozesse“)
Visionen von Baiersbronn: Die Freudenstädter Straße als Boulevard. (Quelle: „Labor für urbane Orte und Prozesse“)
  1. Vernetzung
    Ein Wegenetz verbindet Orte im Ober- und Unterdorf miteinander. Der Bahnübergang wird ebenerdig. Die Freudenstädter Straße erhält einen breiten Mittelstreifen, der gut querbar ist. Die Forbachstraße wird entweder zum Boulevard oder zur verkehrsberuhigten Zone, in der Autos und Fußgänger gleichberechtigt unterwegs sind. Vom Rosenplatz führt ein Fußweg zum „Rosenpier“ am Forbach.
  2. Vielfalt (Auszüge)
    Die Alte Krone wird zu einem öffentlichen Gebäude umgewandelt, wo Vereine, Verwaltung und Bürger Nutzungs- und Veranstaltungsräume finden. Ein „Brückenplatz“ schafft Freifläche und Wasserzugang – und Raum für Angebote wie ein Sommerkino. Am Bahnhof entsteht ein Haus der Mobilität mit Carsharing, Fahrradstation, einem Infopunkt für Gäste und einem kleinen Supermarkt. An den Schelklewiesen wird der Forbach für eine Wellnesszone und Hochwasserfläche erweitert, am Zusammenfluss mit der Murg entsteht der „Murgpool“.
  3. Identität
    Baiersbronns Baukultur mit den Satteldächern, den vielseitigen Oberflächen und den abgesetzten Geschossen bleibt elementarer Teil des Ortsbilds. Die Verkehrsader der Freudenstädter Straße wird als Schaufenster Baiersbronns erkannt – hier sehen Tausende Durchfahrende jeden Tag, was Baiersbronn ist und ausmacht.

Team „Schaudt/Senner“

Sie erhalten die „grüne Seele“ Baiersbronns und konzentrieren sich auf drei Fokusräume:

  1. Verteilerplatz am Bahnhof
  2. Freudenstädter Straße
  3. Forbachstraße

 

In der Umsetzung könnte dies für Baiersbronn so aussehen:

Visionen von Baiersbronn: Der "Schelkleweiher" mit angrenzender Seilbahnstation. (Quelle: „Schaudt/Senner“)
Visionen von Baiersbronn: Der „Schelkleweiher“ mit angrenzender Seilbahnstation. (Quelle: „Schaudt/Senner“)
  1. Verteilerplatz am Bahnhof
    Eine Mobilitätsstation am Platz ist Ausgangspunkt für die Seilbahn, Fußgänger und Radler, vom Dach könnte im Winter sogar Schlitten gefahren werden. Der Vorplatz wird nach Art eines Barcodes abwechselnd steinern, grün und mit Wasser gestaltet.
  2. Freudenstädter Straße
    Die Straße wird um einige Meter Richtung Forbach verschoben. Zwischen Fahrbahn und Häuserzeile entsteht eine neue, deutlich breitere Boulevardzone. Eine zusätzliche Brücke über den Forbach verbindet die Schelklewiese mit dem Rosenplatz. Der Forbach wird zum „Schelkleweiher“ aufgestaut. Er dient als Hochwasserretentionsraum und Naherholungsangebot.
  3. Forbachstraße
    Sie wird als „Regionale Meile“ belebt, wo lokale Handwerker und ihre Werkstätten angesiedelt sind.

 

Wichtige Leitidee dieses Vorschlags ist eine Seilbahn, die von der Freudenstädter Straße auf den Rinkenkopf führt und vom neuen Mobilitätszentrum am Bahnhof Richtung Sankenbachtal. Die beiden Stationen sollen über die Schelklewiesen verbunden werden, auf der Höhe des Rosenplatzes wird eine weitere Station vorgeschlagen. Die Seilbahn ist bequem und die Fahrt selbst wird zum Erlebnis.

Einen Planvorschlag legte das Team außerdem für das geplante Seniorenzentrum vor. Die Essenz: Das Projekt wird auf zwei Standorte aufgeteilt. Tagespflege und betreute Wohnformen finden ihren Standort am Rande des Ortszentrums in dem Bereich, der bereits bislang dafür vorgesehen ist. Der „Grüne Finger“ zum Rosenplatz kann jedoch bei diesem Konzept in wichtigen Teilen erhalten werden und die Gebäude können deutlich niedriger werden und passen sich besser ins Ortsbild ein. Die stationäre Pflegeeinrichtung wird am Bahnhof vorgesehen – als südlicher Platzrand zum neuen Bahnhofsplatz und nahe zu den Mobilitätsangeboten.

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