Im "Notstall" in der Forbachstraße wird ein Ochse beschlagen (Quelle: Jürgen Morlok I Baiersbronner Zeitreise)
Unser Dorf
Gesichter aus dem Unterdorf: Jürgen Morlok

Man hört das Klappern der Pferdehufe, dass Rattern der Karrenräder. Aus der Werkstatt des Bad-Schmied an der Murgbrücke steigt der beißende Geruch von Rauch und verbranntem Horn. In der Forbachstraße steht der „Notstall“, in den die Ochsen zum Beschlagen eingespannt sind. Über Generationen haben diese Eindrücke zum Leben in Baiersbronn und im Unterdorf gehört. Jürgen Morlok ist derjenige, der sie lebendig hält – er hat die „Baiersbronner Zeitreise“ ins Leben gerufen.

Im „Notstall“ in der Forbachstraße wird ein Ochse beschlagen (Quelle: Jürgen Morlok I Baiersbronner Zeitreise)

In seinem Büro in der Forbachstraße ist im Herbst ein Schaufenster mit historischen Fotografien eingerichtet. Die schönsten werden jedes Jahr unter einem bestimmten Motto in einem Kalender zusammengefasst. Szenen aus dem Ortsleben sind auf den Fotos zu sehen. Regelmäßig bleiben Passanten vor dem Schaufenster stehen. Mittlerweile kommen die Menschen mit ganzen Kartons und Alben voller Fotos, die sie Jürgen Morlok anvertrauen. „Die Nummer 1 in der Forbachstraße“, wie Jürgen Morlok seinen Standort in der Forbachstraße 1 humorvoll nennt, ist das fotografische Gedächtnis des Ortes geworden. Jürgen Morlok hat ein Faible für alte Fotografien und die Geschichten, die dahinter stecken. „Aber ich mache das nicht nur für mich, sondern auch für andere.“ Denn Jürgen Morlok findet es wichtig, dass die Geschichte von Baiersbronn und dem Unterdorf bewahrt wird.

Das herausgeputzte Unterdorf während der Deutschen Skimeisterschaft 1933 (Quelle: Jürgen Morlok I Baiersbronner Zeitreise)

Wenn man die Bilder betrachtet, sieht man, dass sich das Unterdorf drastisch verändert hat. Aus einem dünn besiedelten Stück Überschwemmungsland ist ein neues Zentrum in Baiersbronn geworden. Für Jürgen Morlok ist das Bewahren der Geschichte deshalb eine Form der Anerkennung. „Für unsere Vorfahren, die Baiersbronn zu dem gemacht haben, was es heute ist.“

Dem Unterdorf ist Jürgen Morloks Familie seit Generationen verbunden. Seine Großeltern haben in der Murgtalstraße gewohnt. In der Forbachstraße, im ehemaligen Uhrengeschäft Finkbeiner, liegt sein Büro. Im Schwimmbad, in der Wilhelm-Münster-Schule oder auf dem Bolzplatz am heutigen Rosenplatz hat er seine Jugendtage verbracht. „Das Unterdorf ist ein Stück Heimat für mich.“

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Die Forbachstraße im Jahr 1936 (Quelle: Jürgen Morlok I Baiersbronner Zeitreise)

Für ihn ist es deshalb wichtig, dass das historische Erbe des Unterdorfs erhalten und in die Zukunftsplanung des Leitbildprozesses eingebunden wird. Etwa mit einem Erlebnisweg durch das Unterdorf, wo die Geschichte des Ortes lebendig gehalten wird. Zu erzählen gäbe es manches. Zum Beispiel die Geschichte des Cafés Miller. Dieses ist inzwischen dem Spielcasino gewichen. Doch wenn Jürgen Morlok vor dem Haus steht, fällt ihm immer ein, dass es hier einst den besten Kuchen im ganzen Unterdorf gab.

Der Zeitreisende: Jürgen Morlok

Den Leitbildprozess hält er für wichtig. Damit das Unterdorf ein lebendiges Zentrum bekommt, das als solches erkennbar ist und wo man gerne hängen bleibt. „Was mir wehtut, ist, wenn Gäste die Kronenbrücke herunter kommen und fragen, wo denn jetzt das Zentrum von Baiersbronn ist.“

Immerhin: Auf der Suche nach dem Ortskern kommen sie so am Schaufenster in der Forbachstraße 1 vorbei. Betrachtet jemand die ausgestellten Bilder, kommt Jürgen Morlok gerne hinaus zu den Besuchern. „Ich frage dann, ob sie das Bild und die Menschen kennen.“

Schnell ergeben sich dann Gespräche, wo oft neue Anekdoten zum Besten gegeben werden. So kann das Gedächtnis des Unterdorfs keine Lücken bekommen.

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